Gartenschauen - von der Blumenschau zum Städtebauprojekt


Rain, April 2009
 
Die Wurzeln der Gartenschauen reichen bis in das 18. Jahrhundert.  Lange Zeit verstand man darunter kurzfristige Blumenschauen, die zeigen wollten, was die Erwerbsgärtner, Pflanzenzüchter und private Pflanzenliebhaber leisten konnten. Man zeigte in den Pflanzenschauen was man hatte, kaufte und tauschte.
Schon in den 1930er Jahren begann ein Umdenken. Die städtebaulichen Besonerheiten der jeweiligen Austragungsorte wurden stärker berücksichtigt. Die Gartenschauen sollten von nun an langfristige Spuren hinterlassen - Parks und Grünzonen für die Bewohner. Der Killesberg in Stuttgart war der erste kommunale Erholungspark, der im Rahmen einer Gartenschau entstand. Es gibt ihn noch heute.
Mittlerweile haben sich Gartenschauen zu beachtlichen Strukturförderungsmaßnahmen entwickelt - städtebauliche und stadtökologische Projekte, die in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, mit den Stadtplanungsämtern und den Verantwortlichen Politikern der Gartenschau-Städte gestemmt werden: Seit 1978 steht diesen in Bayern die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH als Mitveranstalter zur Seite.
Oft geht der Bewerbung um eine Landesgartenschau ein jahrelanger kommunalpolitischer Diskurs voraus und dadurch eine intensive Beschäftigung mit dem Thema. Für keinen Bürgermeister, keinen Baudezernenten ist es eine einfache Entscheidung, eine Gartenschau in die eigene Stadt zu holen. Die Vorbereitungen für den landschaftsarchitektonischen Ideen-Wettbewerb sind umfangreich und erforderne eine enorme Vorleistung der Kommunen. Trotzdem bewerben sich in Bayern immer mehr Städte um die Austragung einer Gartenschau. Gerade wurde die Landesgartenschau 2016 an Bayreuth vergeben.
Rosenheim wird 2010, also in knapp einem Jahr seine Tore für die 15. bayerische Landesgartenschau öffnen. Als Rosenheim 2001 den Zuschlag für die Landesgartenschau 2010 bekam, triumphierte die oberbayerische Stadt über 11 Mitbewerber. Für die zeitgleich ausgelobte Regionalgartenschau "Natur in der Stadt 2009", die alle zwei Jahre versetzt zu den Landesgartenschauen stattfindet, bewarben sich sogar 19 Mittelzentren in Bayern.
Das Interesse ist so groß, weil die Kommunen wissen, dass eine Gartenschau vielfältige Impulse setzt. Zum einen ist da der "Imagegewinn" - denn Landesgartenschauen erfreuen sich seit über 30 Jahren stetig wachsender Beliebtheit, was an den Besucherzahlen abzulesen ist. Zum anderen bekommen die Austragungsstädte nicht nur Zuschüsse zum Durchführungshaushalt der Gartenschau vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sondern auch Zuschüsse zu den Investitionskosten der auf Dauer ausgerichteten Anlagen. Bis zu 3,6 Millionen für eine Landesgartenschau und 1,6 Millionen Euro für die "Natur in der Stadt". Bedingung ist: Das Konzept der Gartenschau muss wirklich bleibende Werte für Stadt und Bevölkerung garantieren. Und Nachhaltigkeit - auch und vor allem im ökologischen Bereich - bekommt immer mehr Gewicht. Grundsätzlich wandern die Gartenschauen durch alle Regierungsbezirke, damit alle Landesteile von den positiven Auswirkungen auf das Wohnumfeld und die Lebensqualität der Städte, profitieren können.

Ziele der bayerischen Gartenschauen
"Durch Landesgartenschauen sollen beispielgebende Grünanlagen, vorrangig in Oberzentren (...) zur Verbesserung der innerstädtischen Erholungsmöglichkeiten, aber auch des Stadtklimas und der Lebensbedingungen für die heimische Pflanzen- und Tierwelt geschaffen werden." So definiert das bayerische Landesentwicklungs-Programm die Ziele von Gartenschauen. Damit dies gelingt wird von Gartenschauen auch erwartet,
  • "zusammenhängende Grünzonen zu schaffen, zu gestalten und zu sichern."
Ein weiteres Ziel ist es,
  • die Bevölkerung durch beispielhafte Gestaltung und Pflege von Grünflächen und Gärten, durch Lehrschauen, pflanzenbauliche Ausstellungen und Veranstaltungen über Fragen des Gartenbaus und der Umweltgestaltung, des Naturschutz und der Landespflege, zu informieren.
  • Und dem bayerischen Gartenbau die Möglichkeit zu geben, seine Beiträe zu gestalterischen und ökologischen Verbesserungen zum Themenbereich "Kreatives Grün in der Stadt" zu präsentieren.
Jede Gartenschau braucht engagierte kreative Gärtner
Damit alle oben genannten Ziele zu erfüllen sind und neue phantasievolle Grünflächen in den Städten gestaltet werden können, muss ein perfektes Zusammenspiel von vielen erfahrenen, kreativen, aber auch mutigen Landschaftsarchitekten, Garten- und Landschaftsbauern und Gärtnern entstehen.
Denn entgegen der Annahme, eine Gartenschau sei für den "grünen " Berufsstand eine lukrative, risikofreie Einnahmequelle, erfodert die Teilnahme an einer Landesgartenschau ein hohes Maß an Idealismus und Eigeninitiative. Über die Auftragsvergabe für die bleibenden Investitionen hinaus, die übrigens alle EU-weit ausgeschrieben werden müssen, engagiert sich der Berufsstand auch im Ausstellungsbereich einer Landesgartenschau. Die Ausstellungsbeiträge der Gärtner, der Baumschulen und der Garten- und Landschaftsbauer sind eine große Attraktion auf jeder Gartenschau. Die wenigsten wissen, dass die Gärtner für die Herstellung und Pflege der Ausstellungsbeiträge nur eine Aufwandsentschädigung erhalten, die sich aus dem Ausstellungsinhalt und dem Materialaufwand errechnet und nie kostendeckend ist. Wer einmal erlebt hat, welch große Kreativität und welch akribisches Zeitmanagement in den phantasievollen Pflanzkonzepten steckt, die gemeinsam mit der jeweiligen Landesgartenschau in vielen Treffen erarbeitet werden, wird sofort verstehen, dass Geld nicht der Anreiz sein kann, an einer Landesgartenschau teilzunehmen. "Ohne den Idealismus unserer Gärtner wären die tollen Themengärten und Hallenschauen, die die Besucher immer wieder begeistern, gar nicht finanzierbar", betont Dagmar Voß, Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Förderung bayerischer Landesgartenschauen.


 

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